Der Klumpfuß / Die Ponseti-MethodeEin Aufklärungsleitfaden für Eltern Der Klumpfuß (siehe Abbildung) ist eine komplexe, massive Fehlbildung der Füße bei Neugeborenen. Trotz dieser starken Deformität ist heutezutage die Korrektur der Fehlstellung möglich. Ihr Kind wird normal gehen und laufen können, und lediglich, je nach Schweregrad der Fehlstellung, leichte Beeinträchtigungen bei intensiver Sportausübung erfahren. Ist der Klumpfuß einseitig, so bleibt die Wade auf der betroffenen Seite stets etwas dünner als auf der nichtbetroffenen Seite. Auch die Schuhnummer ist eventuell am betroffenen Fuß um eine bis maximal zwei Nummern kleiner. Der Klumpfuß ist die häufigste angeborene Fußfehlstellung. Der Fuß ist unbeweglich, zeigt nach unten und ist nach innen rotiert. Der Fuß erscheint ungewöhnlich, weil die Knochen, Muskel, Sehnen und Bänder sich falsch entwickelt habe. In Österreich hat etwa eines von 900 Babys einen Klumpfuß. Knaben sind dabei häufiger betroffen als Mädchen und in etwa 40% der Fälle tritt der Klumpfuß beidseitig auf. Die Ursache für die Entstehung eines Klumpfußes ist unbekannt. Es dürfte sich um ein Problem in der Entwicklung des Fußes im ersten Trimester der Schwangerschaft handeln. Manchmal wird die Fehlstellung in der 16. bis 18. Schwangerschaftswoche im Ultraschall erkannt. In manchen Fällen findet sich in der Familie ein Verwandter mit Klumpfuß. Wenn ein Elternteil selbst einen Klumpfuß bei Geburt hatte, ist die Häufigkeit für jedes Kind zwischen 3 und 4 Prozent. Bei den meisten Neugeborenen wird ein so genannter idiopathischer Klumpfuß diagnostiziert. Alle anderen Untersuchungen sind unauffällig und das Kind entwickelt sich ganz normal. Ein kleiner Prozentsatz von Kindern hat noch zusätzliche Erkrankungen wie zum Beispiel Arthrogrypose, eine neurologische Schwäche oder Spina bifida. In diesen Fällen spricht man von einem syndromassoziierten Klumpfuß. Beide Arten des Klumpfußes können mit der Ponseti Methode behandelt werden, wobei die Erfolgsraten beim idiopathischen Klumpfuß deutlich höher sind. 2. Was ist die Ponseti-Methode? Die Ponseti-Methode wurde von Ignacio V. Ponseti über Jahrzehnte hindurch entwickelt und gilt heute als effektivste und erfolgreichste Behandlung des Klumpfußes. Diese Behandlung wurde in Österreich 2002 von Univ. Prof. Dr. Franz Grill und Dr. Christof Radler eingeführt. Das Orthopädische Spital Speising hat im gesamten deutschsprachigen Raum die längste und größte Erfahrung mit der Ponseti-Methode und behandelt jährlich etwa 50 -60 Klumpfüße bei Neugeborenen auf diese Weise. Die Ponseti-Methode ist eine primär nicht-operative Behandlungsform, bei der
der Fuß durch wöchentliche zarte Manipulation und durch Anlegen von
Ober-Unterschenkelgipsen für 5-8 Wochen korrigiert wird. Dies dehnt die Bänder
und Sehnen des Fußes und gibt den Knochen Zeit sich durch die korrigierenden
Kräfte im Gips umzuformen. Nach Abnahme des letzten Gipsverbandes braucht Ihr Kind spezielle Schuhe, die mit einer Stange verbunden sind und die Füße nach außen drehen. Die größte Gefahr nach erfolgreicher Behandlung ist das Wiederauftreten der Fehlstellung oder von Teilen der Fehlstellung. Daher ist das Tragen dieser Schienen unbedingt notwendig um die gute korrigierte Stellung des Fußes zu bewahren. Die Schienen müssen in den ersten 3 Monaten 22 Stunden am Tag angelegt werden. Nach diesen 3 Monaten werden die Schienen nur noch in der Nacht und bei Schläfchen getragen. Erst zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr, je nach Fußform und ursprünglicher Fehlstellung, kann die Schiene weggelassen werde. In manchen Fällen, kann eine physikalische Therapie die Beweglichkeit des Fußes noch weiter fördern. 3. Wie geht es mit der Therapie dann weiter? Es sind regelmäßige Kontrollen in unserer Ambulanz notwendig, um ein
eventuelles Wiederauftreten der Fehlstellung (=Rezidiv) rechtzeitig zu
erkennen. Ein Rezidiv ist häufig Folge von Problemen mit der Schiene, etwa wenn
die Schiene weniger als 8-10 Stunden pro Nacht getragen wird. In den meisten
Fällen ist es ausreichend noch einmal 3 bis 5 Gipse anzulegen, wenn danach die
Schiene regelmäßig getragen wird. In solchen Fällen kann eine operative Sehnenverlagerung zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr notwendig sein. Diese kleine Operation findet weit weg vom Gelenk statt, wodurch keine negativen Folgen für die Beweglichkeit des Fußes und für den Gelenksknorpel entstehen können. 4. Ist die Ponseti-Methode immer erfolgreich? Mit der Ponseti-Methode kann in etwa 90% der Fälle eine gute Korrektur erreicht werden. In manchen Fällen (besonders bei schweren Klumpfüßen und syndromassoziierten Klumpfüßen) ist die Korrektur durch den Gips und die Tenotomie nicht ausreichend. In diesen Fällen muss die erreichte Korrektur durch weitere Gipse und/oder Physiotherapie gehalten werden und eine Release Operation etwa im Alter von 6 Monaten durchgeführt werden. Durch eine hochqualitative Vorbehandlung mit der Ponseti-Methode und einer Tenotomie werden optimale Voraussetzungen für eine Operation geschaffen, wodurch der Eingriff kleiner gehalten werden kann und mit vergleichsweise besseren Ergebnissen gerechnet werden kann. 5. Gibt es Alternativen zur Ponseti-Methode? Ohne oder bei unzureichender Gipsbehandlung muss in 90% der Fälle eine große Release-Operation durchgeführt werden. Dabei wird der Fuß rundum eröffnet und Bänder werden durchtrennt, Sehnen verlängert und Gelenke eröffnet. Das Ergebnis wird dann mit drei Bohrdrähten gehalten. Postoperativ werden bis zu zwei weitere Gipswechsel in Narkose durchgeführt. Ein postoperativer Gips für 6 Wochen so wie Schienen bis zum 6. Lebensjahr sind erforderlich.
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